"Wir sind ein Teil der Erde und sie ist ein Teil von uns. Die duftenden
Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der große Adler
- sind unsere Brüder. Was immer den Tieren geschieht - geschieht bald
auch uns Menschen…"
Aus der Rede des Indianerhäuptlings Seattle an den
Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika 1855.
Als Besucher unserer Internetseite gehören Sie sicherlich auch zu
den zahlreichen Skandinavienfans, die sich für die Schönheit dieser
Länder begeistern. Diese Tatsache lässt sich auch keineswegs bestreiten.
Dennoch möchte ich in Form dieses Artikels auch eine Schattenseite aufzeigen:
Den Walfang in Skandinavien.
In Skandinavien, hauptsächlich in Norwegen und in Island, ist der Walfang
auch heute noch stark verbreitet. Seit 1986 ist ein internationales
Walfangmoratorium in Kraft, welches den kommerziellen Walfang verbietet.
Zusätzlich besteht ein Handelsverbot. Norwegen hat gegen beide Bestimmungen
Protest eingelegt und 1993 - mit der Begründung des Eigenbedarfs - wieder
begonnen, Zwergwale zu jagen. Des Weiteren beliefert Norwegen im großen
Maße Japan mit Walfleisch. Japan, als das Land, das wohl am häufigsten
mit dem Thema Walfang in die Diskussion gerät. Auch Island stellte sich
bislang gegenüber dem Walfangmoratorium quer und wurde im Mai 2002 lediglich
als Beobachter zur Internationalen Walfangkommission (IWC) eingeladen,
woraufhin es der Kommission gänzlich fern blieb. Neben diesen beiden
bekannten Walfangstaaten existiert im skandinavischen Raum noch ein
weiterer, auf den im Folgenden näher eingegangen werden soll. Die Rede
ist von den zu Dänemark gehörenden Färöer Inseln, die durch brutale
Walfänge enormer Größe die Aufmerksamkeit von Tierschutzorganisationen
immer häufiger auf sich ziehen. Wie lässt sich dies erklären, wenn man
bedenkt, dass auf den Färöer Inseln einer der höchsten Lebensstandards
Europas herrscht und zudem zahlreiche internationale Abkommen den Walfang
verbieten oder zumindest einschränken?
Werfen wir einen kurzen Blick in die Geschichte: Die Färöer Inseln waren
schon immer stark vom Fischfang abhängig. Grindwale, die zur Gattung
der Zahnwale und zur Familie der Delphinidae gehören, wurden Jahrhundertlang
aus Ernährungsgründen gejagt. Auch heute noch arbeiten 25% der Einheimischen
in der Fischerei und 95% der Fänge werden exportiert. Da die Färöer
Inseln die bewilligten Fangquoten jedoch bei weitem überschritten und
zudem einen sehr extravaganten Lebensstil pflegten, bekamen sie sehr
bald wirtschaftliche Probleme, so dass Dänemark begann, die Färöer immer
stärker zu subventionieren.
Heute haben die Inseln, wie schon erwähnt, einen sehr hohen Lebensstandard.
In den Supermärkten gibt es alles zu kaufen, was das Herz begehrt. Doch
noch heute werden jährlich bis zu 1500 Grindwale auf brutalste Weise
getötet, ohne Rücksicht auf Fangquoten oder internationale Bestimmungen.
Die Regierung Dänemarks erklärt dies nach wie vor mit Ernährungsgründen,
was in der heutigen Zeit sehr zweifelhaft erscheint. Ebenfalls wird
auf die langjährige Tradition hingewiesen, was in Anbetracht der "Hightech"
Mittel, die bei der Jagd eingesetzt werden und angesichts der Grausamkeit
fraglich ist. Um sich ein Bild von der ungemeinen Brutalität machen
zu können, soll im Folgenden das "Jagdritual", so kann man es wohl zu
Recht nennen, näher erläutert werden. Zuerst ist hierbei zu sagen, dass
generell Kinder ab 12 Jahren an der Jagd teilnehmen können, viele, auch
jüngere, bekommen extra hierfür Schulfrei, Erwachsene dürfen für diese
Zeit ihren Arbeitsplatz verlassen. Es sind also keine ausgebildeten
Jäger, die die Waljagd vornehmen, im Gegenteil, oft ist das ganze Dorf
an der Jagd beteiligt. Ein lokaler Polizeichef darf die Jagd anordnen
und überwacht diese. Die Wale werden mit Steinen, die an einer Lederschnur
befestigt sind und von Booten aus auf das Wasser gepeitscht werden,
in eine Bucht getrieben. Oft werden sie hierbei auch mit Lanzen gestoßen.
Heute wird die Treibjagd zusätzlich durch moderne Mittel, wie Echolot,
Sonar und Speedboote, unterstützt. Danach werden die Wale mit Hilfe
eines eisernen Fanghakens, der sich "Gaff" nennt, an Land gezogen. Das
traditionelle Gaff läuft am Ende spitz zu, so dass große, stark blutende
Wunden entstanden, die starke Kritik von Tierschutzorganisationen hervorriefen
und die Jagd als blutiges Massaker erscheinen ließen. Mittlerweile wurde
ein neuer Typ entwickelt, der durch ein kugelförmiges Ende äußerliche
Wunden verhindert. Nach außen hin erscheint die Jagd dadurch weniger
brutal. Wirft man jedoch eine Blick auf die Anatomie der Wale, so kommt
man zu einem völlig anderen Ergebnis: Das Gaff wird in das Blasloch
gerammt, so dass ein sehr starker Druck im Nasenbereich des Wals entsteht.
Hierdurch werden Blutgefäße zum Platzen gebracht und Nervenstränge,
die zum Gehirn führen, unterbrochen. Weiterhin wird die Echolokalisation,
mit der der Wal sich im Wasser orientiert, stark eingeschränkt und auch
die Kommunikationsmöglichkeit wird beeinträchtigt. Außerdem ist das
Blasloch ein sehr schmerzempfindlicher Körperbereich, was darauf schließen
lässt, dass durch das Gaff enorme Schmerzen verursacht werden. Da die
Atmung durch das Gaff verständlicherweise sehr erschwert wird, erstickt
der Wal oft qualvoll bevor er an Land gezogen wird, oder er ertrinkt
in seinem eigenen Blut. An Land wird den Walen mit einem Messer das
Rückenmark durchtrennt. Anschließend werden sie am Strand aufgereiht,
nummeriert und meist auch an Ort und Stelle zerlegt. Manche Körperteile
werden aussortiert und landen letztendlich im Meer oder auf der Müllkippe.
Der Polizeichef ermittelt im Weiteren die Anteile, die jeder der Bevölkerung,
auch Kinder und Säuglinge, erhält. Außerdem werden Sonderanteile vergeben;
so erhält beispielsweise der Polizeichef 2% des gesamten Fangs.
Zwischen 1994 und 1996 wurden auf diese Weise 2816 Wale getötet, was
1.588.787 kg Fleisch ergab. Für jeden Bewohner waren das jährlich 35,
2 kg. Und dabei ist jedes Kilogramm Walfleisch schädlich, da es stark
mit PCB und Quecksilber belastet ist. Erst 1998 wurde die Bevölkerung
von der Regierung angehalten, höchstens zweimal im Monat Walfleisch
zu essen. Schwangere, oder Frauen, die Kinder haben möchten, sollten
ganz auf das Walfleisch verzichten. Wissenschaftler gehen davon aus,
dass Föten bereits vor der Geburt geschädigt werden. Die Einnahme von
PCB ist auf den Färöer 15-mal höher, als im übrigen Skandinavien. Ähnliches
ist in Grönland zu beobachten. Deshalb landet immer mehr Walfleisch
auf der Müllkippe, was der Jagd zunehmend den Anschein gibt, dass sie
nur dazu diene, den Blutrausch einiger Menschen zu stillen und die empfundene
Überlegenheit der Menschen über die Tiere zu demonstrieren.
Dieser Artikel soll niemanden von einem Urlaub auf den Färöer Inseln,
auf Island oder in Norwegen abhalten. Er soll nur auf die massiven Tierquälereien
und das strikte Ignorieren internationaler Bestimmungen aufmerksam machen
und Sie, als potentiellen Urlauber, zum Nachdenken anregen, was Sie
persönlich dagegen tun können. Dieser Bericht beruht auf einer Informationsbroschüre
des ASMS (Arbeitsgruppe zum Schutz der Meeressäuger Schweiz). Für weitere
Informationen besuchen Sie bitte die Website www.asms-swiss.org